Stilregeln für freizügige Outfits im heißen Büro

Berlin (dpa/tmn) – An heißen Sommertagen greifen viele Menschen zu sehr freizügiger Kleidung. Gut sieht das nicht immer aus. Gerade am Arbeitsplatz hinterlässt das oft keinen guten Eindruck, in Branchen mit Kundenverkehr ist es gar tabu. Wie weit kann ich also gehen und die Grenzen des guten Stils ausreizen?

Das ist natürlich von Branche zu Branche verschieden. Gibt es einen Dresscode wie bei Banken und Versicherungen, können Mitarbeiter diesen nicht eigenmächtig aufheben. Und er gilt auch erstmal weiter bei mehr als 30 Grad, erklärt der Deutsche Anwaltverein (DAV). Wird es sehr heiß, kann oder sollte der Chef zwar die Regeln lockern. Aber selbst dann ist davon auszugehen, dass übliche Konventionen gelten. Daher sollte sich laut DAV bei Hitze eher dezent kleiden, wer Kundenkontakt hat oder in eher konservativen Unternehmen arbeitet.

Frauen haben es hier ja vermeintlich einfacher: Sie ziehen einfach kurze Röcke an oder tragen die als Teil von Business-Outfits gerade im Trend liegenden feinen Shorts. Das geht doch, oder? Die Stilberaterin Silke Gerloff aus Offenbach sieht das anders: «Die Kombi Shorts und Blazer wirkt immer etwas sexy, daher geht sie definitiv nicht in konservativen Branchen.» Auch die Stilberaterin Katharina Starlay aus Wiesbaden sagt: «Die kürzeste Rocklänge im Business liegt nach wie vor eine Handbreit über dem Knie.»

In legeren Start-ups oder in modeaffinen Agenturen sieht das aber anders aus. Hier ist oft erlaubt, was gefällt – oder sogar gefragt, was auffällt. Auch in anderen Branchen lassen sich die Grenzen des Dresscodes an besonders heißen Tagen im stickigen Büro und Geschäft schon mal ausreizen. Und tun wir das nicht auch? Instinktiv greifen viele bei Hitze zu dünnen, kurzen und engen Kleidungsstücken – ganz nach der Devise: je weniger Stoff, desto angenehmer.

Aber auch hier raten Experten: Der gute Ton sollte gewahrt bleiben, denn man muss Kollegen und Kunden nicht mit Nacktheit belästigen. Für den Modeberater Andreas Rose gibt es klare No-Gos: «Auf keinen Fall trägt man bauchfrei im Berufsleben.» Auch die derzeit trendigen Kleidungsstücke mit Cut-outs und die angesagten zerschlissene Hosen mit Löchern gehören nicht ins Büro und in einen Laden. «Hintern, Hüften und Busen nicht betonen», rät Rose.

Der Annahme, dass sich der Alltag mit wenig Stoff auf der Haut angenehmer anfühlt, widerspricht Stilberaterin Starlay. «Was dabei oft vergessen wird: Gerade in sehr heißen Ländern wie Indien wird eher mehr Kleidung getragen. Stoff schützt nämlich vor Hitze.»

Außerdem sind der ultraenge Minirock und die sehr knappe Shorts meist weniger figurschmeichelnd – egal ob im Job oder in der Freizeit. Solche Stücke quetschen, drücken und betonen Problemzonen, von denen quasi jeder welche hat. Nicht zu vergessen: Darin kann man sich auch nicht so gut bewegen oder elegant hinsetzen. Starlay empfiehlt als Alternative «weich fließende Hosen aus sommerlichen Stoffen».

Und die Männer? Es gibt im Handel gerade vermehrt schicke Anzughosen in kurz. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch ihren Durchbruch im Arbeitsleben haben sollten, findet Sebastian Schwarz vom Fachmagazin «Textilwirtschaft». Für Freizeit und Sport seien die Shorts okay – an heißen Tagen sowieso. «Aber gerade am Arbeitsplatz und in den meisten Büros haben kurze Hosen nichts zu suchen.»

Am Ende geht es beim guten Stil im Berufsleben auch um Kleinigkeiten. Um Flips-Flops am Fuß etwa oder um den BH-Träger. Sicher ist es heute kein Staatsakt mehr, wenn er mal aus dem Oberteil herausblitzt, aber sichtbare Unterwäsche gehört zu den letzten richtigen No-Gos im Job. Zumal sie sich vermeiden lässt, entweder durch Trägeralternativen aus dem Handel, die sich anklippen lassen, oder durch Spangen, die die Träger zusammenziehen. Es gibt auch hausgemachte Lösungen: Kleine ins Oberteil genähte
Schlaufen halten den Träger in der Innenseite – und eine
Büroklammer macht aus zwei Trägern fix eine gekreuzte Variante.

Fotocredits: Soeren Stache

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