Drängler auf der Autobahn: Nicht auf Hahnenkämpfe einlassen

Goslar – Aggressivität und Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr nehmen nach Ansicht von Experten zu. Beim Deutschen
Verkehrsgerichtstag diskutierten sie daher über eine Erhöhung der Bußgelder für Verkehrssünder.

Verkehrsteilnehmer können dabei eine Menge tun, um sich nicht anstecken zu lassen und Ruhe zu bewahren, sagt Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Frage: Was kann man tun, wenn auf der Autobahn hinter einem jemand dicht auffährt und drängelt?

Antwort: Grundsätzlich kann man versuchen, das auszublenden und gelassen zu bleiben. Oft hilft ein Perspektivenwechsel. Wenn man sich fragt, warum drängelt der jetzt, kann man es vielleicht auch verstehen und nachvollziehen.

Frage: Und wenn man es nicht versteht und sich im Recht fühlt, was dann?

Antwort: Man sollte sich auf keinen Fall auf einen Hahnenkampf auf der Autobahn einlassen, wie er unter manchen Männern üblich ist. Lieber kurz nach rechts fahren und den Drängler vorbei lassen. Man ist ihn dann in seinem Nacken los. Und im Übrigen gilt: Wer drängelt, stresst sich selbst.

Frage: Helfen Pausen gegen Stress?

Antwort: Absolut. Pausen dienen dazu, den Akku wieder aufzuladen. Und wenn man schon gestresst ist, bringt man durch eine Rast den eigenen Drehzahlmesser wieder aus dem roten Bereich raus.

Frage: Kann man den Stress durch die eigene Fahrweise reduzieren?

Antwort: Es hilft schon, wenn man auf der Autobahn nicht ständig am Limit fährt. Man ist entspannter, wenn man das nicht macht. Und wer oft auf derselben Strecke unterwegs ist, kann leicht überprüfen, dass das auch zeitlich fast nichts bringt. Wenn man einmal mit sehr hoher und das nächste Mal mit einer niedrigeren Spitzengeschwindigkeit fährt, wird man am Bordcomputer feststellen, dass das Durchschnittstempo nicht wirklich höher war.

Frage: Woran liegt das?

Antwort: Wer auf einer vollen Autobahn immer wieder richtig Gas gibt, muss oft bremsen. Eine solche Fahrweise macht einen nur selbst aggressiver, sie kostet Sprit und bringt zeitlich fast nichts.

Frage: Haben Sie auch einen Ratschlag für Pendler, die oft auf vollen Straßen unterwegs sein müssen?

Antwort: Wer im dichten Berufsverkehr fahren muss, sollte etwas früher losfahren. Oft reicht es schon, nur zehn Minuten eher zu starten, um aus dem Zeitstress herauszukommen. Und wenn man gut durchkommt, hat man noch ein paar Minuten Zeit für eine Tasse Kaffee.

Frage: Man soll sich also Zeit nehmen und gelassen bleiben?

Antwort: Eindeutig ja. Und man kann versuchen, Stauzeiten positiv zu sehen. Man kann bewusst Radio hören oder seine Telefonate über die Freisprechanlage erledigen.

Zur Person: Kurt Bartels ist stellvertretender Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Fotocredits: Marcus Führer
(dpa/tmn)

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