Akupunkturnadeln: Der heilende Stich

Die älteste schriftliche Erwähnung der Akupunktur stammt aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus. Schon damals behaupteten chinesische Historiker, man könne mithilfe von Akupunkturnadeln Kranke wieder gesund machen. Auch in Schriften aus der Zeitenwende werden verschiedene Akupunkturnadeln, Stichtechniken und Punkte beschrieben. Bis die Akupunktur und ihre Nadeln nach Europa gelangten, sollte es aber noch dauern: Erst 1675 findet sich eine Erwähnung, als ein niederländischer Arzt die seltsame Therapieform beschrieb, die er in Japan kennengelernt hatte. Was ist aber dran am chinesischen Mythos, Krankheiten durch das Pieksen des Patienten mit Akupunkturnadeln heilen zu können?

Traditionelle chinesische Medizin

Auf den ersten Blick klingen die Grundlagen dieser traditionellen chinesischen Medizin für das europäische Ohr recht abenteuerlich: Basierend auf der Lehre von Yin und Yang und den fünf Elementen, benutzt sie verschiedene Verfahren. Akupunkturnadeln werden in Körperpunkte eingestochen oder aber diese werden erwärmt oder massiert. Dabei gibt es insgesamt 400 mögliche Orte zum Einstechen der Akupunkturnadeln – der Heilpraktiker sollte also genau wissen, was er tut! Durch das Einstechen der Nadeln wird der Fluss des Qi, also der Lebensenergie, beeinflusst, und störende Energien in Form von Krankheiten heben sich auf.

Die Wirksamkeit einer Behandlung mit Akupunkturnadeln konnte bislang nicht wissenschaftlich belegt werden, ja widerspricht sogar teilweise wissenschaftlichen Erkenntnissen über den menschlichen Körper. Trotzdem glauben unzählige Menschen fest daran.

Tatsächlich beweisen die GERAC-Studien, die von 2002-2007 von sechs deutschen Universitäten durchgeführt wurden, dass eine Behandlung mit Akupunkturnadeln in manchen Fällen durchaus sinnvoll sein kann. Untersucht wurde die Wirkung von Akupunktur auf chronischen Kreuzschmerz, Schmerzen bei einer Kniegelenksarthrose und chronische Spannungs- und Migränekopfschmerzen. An insgesamt 3500 Patienten wurde entweder eine Behandlung durchgeführt, bei der die Akupunkturnadeln an tatsächlich chinesischen Heilpunkten eingestochen wurden, oder eine Behandlung, bei der die Nadeln an laut chinesischer Tradition irrelevanten Punkten benutzt wurden. Eine dritte Vergleichsgruppe wurde mit konventionellen Methoden behandelt.

Viele Erfolge durch Akupunkturbehandlungen

Das Ergebnis zeigte, dass etwa 11 Akupunkturbehandlungen in sechs Wochen den herkömmlichen Therapiemethoden überlegen waren, was Kniegelenksarthrose und Kreuzschmerz anbelangt. Bei der Migräne war die sechswöchige Behandlung mit Akupunkturnadeln so erfolgreich wie eine sechsmonatige Behandlung mit prophylaktischen Medikamenten, die täglich eingenommen werden. Allerdings ließ sich kein Unterschied feststellen, wenn man die Akupunkturnadeln bei traditionellen chinesischen Einstichpunkten oder irgendwelchen Punkten auf der Haut benutzte.

Die Ergebnisse dieser Studien bewegten übrigens den Gemeinsamen Bundesausschuss dazu, Akupunktur bei Rückenschmerzen und chronischen Gelenkschmerzen zur Kassenleistung zu erklären. Deshalb zahlen seit dem 1. Januar 2007 alle deutschen gesetzlichen Krankenkassen eine Schmerztherapie mit Behandlung durch Akupunkturnadeln bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder einer Kniegelenksarthrose.  Was die privaten Krankenversicherungen, Beihilfen und die Postbeamtenkrankenkasse betrifft, so bezahlen sie eine Behandlung mit Akupunkturnadeln im Rahmen der Gebührenordnung für Ärzte. Bei Einzelfallentscheidungen kann die Behandlung auch für weitere Diagnosen bezahlt werden.

Der Sorge, der Einstich durch Akupunkturnadeln verursache unvorstellbare Schmerzen, sei übrigens an dieser Stelle entgegengewirkt: Die Akupunkturnadeln sind äußerst fein, sodass der Stich weniger weh tut als bei einer üblichen Spritze. Auch für Kinder ab acht Jahren ist eine Akupunktur-Behandlung möglich: Es gibt hierfür spezielle, ganz besonders dünne Akupunkturnadeln. Jüngere Kinder können mit dem Akupunkturlaser behandelt werden, was völlig schmerzfrei ist.

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